SOS on ute: Leerstand kreativ nutzen

In Berlin ist es gang und gäbe, ja schon beinahe Tradition, leer stehende Ladenlokale an Ecken mit wenig Laufpublikum/Gewinnaussichten für kleines Geld an ideenreiche Kreative zu vermieten und damit in Mehrwert fürs Viertel zu investieren, der sich ästhetisch, kulturell, künstlerisch, nachbarschaftlich, sozial auszahlt. Auch in Städten wie Bremen („Zwischenzeitzentrale“) oder Frankfurt („Freiraum Frankfurt“) findet man solche Beispiele. Ist Köln dafür zu klein? Nein, fand zum Beispiel der Besitzer einer ehemaligen Metzgerei in Kalk. Als er von Karsten Göbbels Plänen hörte, einen kreativen Werkraum zu etablieren, bot er ihm das lange schon ungenutzte Eckgeschäft im Erdgeschoss seines Hauses in der Bertramstr. 1 an. „Die Rolläden gehen nicht mehr hoch und es liegt viel Gerümpel herum,“ erfuhr Karsten, der aber sowie große Lust hatte, Freiraum (auch in seinem Leben) zu schaffen. Mehrere Fuhren Schrott inklusive von selbst zementierter Zementsäcke später gelang es Karsten auch, die alten Holzjalousien wieder aufzuwickeln. Anschließend wurde der Fußboden geflickt, in dem mehrere Bodenplatten zerborsten waren. Am frisch gestrichenen Ende entpuppte sich ein großer heller Raum, ideal für gemeinschaftliches Werkeln und Basteln. Karsten Göbbels hat dafür noch in Nähmaschinen, diverse Sägen und weiteres Werkzeug investiert.

Als Vater von zwei Kindern im experimentierfreudigen Alter (das eine kam gerade in die Schule) wurden Kontakte zu befreundeten Bastelwütigen geknüpft. Erhebliche Öffentlichkeitswirkung entstand auch schon dadurch, dass die Türen des so lange verschlossenen Lädchens wieder auf waren: „In zwei Stunden kommen wohl 50 Passanten vorbei, die fragen, was man hier macht.“ Klar: Das Schild oberhalb der Eingangstür wirft nämlich Fragen auf: „SOS on ute“ steht dort zu lesen, herrlich rätselhaft, defacto nur der Überrest des letzten Mieters „ASOS Computer“. Karsten lässt das Worträtsel stehen, denn irgendwie passt es dazu, dass er selbst noch nicht genau weiß, was aus dem Laden wird. Zwar existiert schon eine Webseite mit dem vielsagenden Titel „werkzeitraum.de“ und eine Menge Sachen wurden kreiert – vom Segelboot bis zum Schuhbeutel. Die Idee, einen Kaffeebetrieb einzurichten, ist zunächst an neueren Auflagen barrierefreier Sanitäranlagen gescheitert. Karsten möchte gerne Kurse anbieten, steht aber auch unter Druck, in seinem angestammten Beruf Geld zu verdienen. Kommt Zeit, kommt Rat? Ideengeber sind willkommen!

 

Wer übrigens weitere Leerstände sichtet, kann sie hier eintragen: Leerstandsmelder will Möglichkeitsräume in der Stadt aufzeigen. Köln ist hier noch ganz unerschlossen.

Henrik Link zur Veranstaltung
http://www.google.com/calendar/event?action=TEMPLATE&text=SOS%20on%20ute:%20Leerstand%20kreativ%20nutzen&dates=20120907T210100Z/20120907T210100Z&details=In%20Berlin%20ist%20es%20gang%20und%20gäbe,%20ja%20schon%20beinahe%20Tradition,%20leer%20stehende%20Ladenlokale%20an%20Ecken%20mit%20wenig%20Laufpublikum/Gewinnaussichten%20für%20kleines%20Geld%20an%20ideenreiche%20Kreative%20zu%20vermieten%20und%20damit%20in%20Mehrwert%20fürs%20Viertel%20zu%20investieren,%20der%20sich%20ästhetisch,%20kulturell,%20künstlerisch,%20nachbarschaftlich,%20sozial%20auszahlt.%20Auch%20in%20Städten%20wie%20Bremen%20(„Zwischenzeitzentrale“)%20oder%20Frankfurt%20(„Freiraum%20Frankfurt“)%20findet%20man%20%5B…%5D&sprop=Kalkpost