Die Zukunft des Huwald-Hammacher-Geländes

Huwald Hammacher Emblem (c) Roman Reiff

Am 8. Dezember ist es soweit, vielleicht auch alles zu spät – man wird sehen. Dann nämlich kommt eine der letzten Brachflächen Kalks unter den Hammer: das ehemalige Firmengelände Huwald-Hammacher. Beinahe zehn Jahre liegt das Grundstück des Pleite gegangenen Stahlhandelunternehmens zwischen Robert-, Rolshover- und Dillenburger Straße brach – rund 11.000 Quadratmeter mit Werkhallen, Bürogebäuden und Nebenbauwerken. Nach der Insolvenz 2003 hatte die Stadt Erstkaufrecht. Das Gelände befindet sich seither in ihrem Besitz. Nicht mehr lange.

Eine kürzlich eingetretene Änderung der Rechtssprechung zum Vergaberecht erleichtert jetzt die kommunale Veräußerung von Grundstücken. Eine Mitteilung der Verwaltung an die Bezirksvertretung Kalk begründete Ende September: „Bis zur aktuellen Änderung der Rechtssprechung zum Vergaberecht durch den Europäischen Gerichtshof (Urteil vom 25.03.2010) wäre im Verkaufsfalle ein europaweites Ausschreibungsverfahren erforderlich gewesen. Dieses ist im vorliegenden Fall nicht mehr erforderlich, so dass das Gelände den bei der Verwaltung aktenkundigen Kaufinteressenten im Juni 2011 zum Erwerb angeboten werden konnte.“

Eine persönliche Nachfrage bei der Stadt war Anfang Juli 2011 von Rolf Lorenz, Stellvertreter des Leiters im Kölner Amt für Liegenschaften, beantwortet worden. Seiner E-Mail zufolge hatten sich „ca. 25 namhafte Investoren“ um den Kauf beworben. Vorgesehen sei ein „Mindestkaufpreis von rd. 5,4 Mio. EUR“, Abriss der Altbauten, „eine Dekontamination des Geländes“ und „überwiegende Wohnbebauung. Hierbei ist ein Anteil von 30% für den öffentlich geförderten Wohnungsbau festgesetzt.“

Dass von den 25 namhaften Investoren 19 abgesprungen sind, erfuhr auf Nachfrage der Kalker Bezirksvertreter Marco Pagano (SPD): „Es haben sich vier Bewerber für den Kauf des Grundstückes beworben. Der Liegenschaftsausschuss wird voraussichtlich in seiner Sitzung am 08.12.2011 über die Bewerber beraten.“, lautet die schriftliche Beantwortung seiner Frage, die man auch im Internet findet.

Das Kopfzerbrechen um die Liegenschaft währt schon lang. 1999 dachte Huwald Hammacher erstaunlicherweise über eine Expansion seines Unternehmens und Modernisierungsmaßnahmen nach. Dafür beabsichtigte er, die Straßenseite zu wechseln. Gleich gegenüber an der Dillenburger Straße war seinerzeit noch genug Platz für so ein Vorhaben.

Der Ausschuss für Hoch- und Wohnungsbau begrüßte den Plan damals: „Die Umnutzung [des bisherigen Firmen-]Standortes entspricht den langjährigen städtbaulichen Entwicklungszielen, und bildet für die Sanierung Kalk einen wesentlichen Meilenstein.“ (Anlage der Beschlussvorlage vom 9.6.2000; Quelle: Manfred Kreische) Eine Idee, wie man das alte Huwald-Hammacher-Gelände umbauen könnte, wurde am 9.5.2000 bei einer Bürgerversammlung im Bürgerhaus Kalk vorgestellt. Der Bezirksvorsteher Herr Dohm und das Amt für Stadtsanierung und Baukoordination hatten dazu in Form eines Info-Blattes und durch eine öffentliche Bekanntmachung in der Tagespresse eingeladen. Der damalige Bebauungsplan ging von einer V-geschossigen Straßenrandbebauung und einer inneren Gebäudespange aus, die den Hofbereich in zwei Grünflächen teilte. Eine Tiefgarage sollte für die nötigen Parkplätze zu den insgesamt 220 neuen Wohnungen, darunter Eigentums- und öffentlich geförderte Wohnungen, sorgen. Das Modell stieß damals auf positive Resonanz, nur die Aufteilung auf zwei Innenhöfe durch einen mittleren Querbau wurde kritisiert. Der Lärm spielender Kinder würde dadurch verstärkt schallen und die Wohnqualität beeinträchtigen.

Nun, aus all dem wurde nichts, weil Huwald Hammacher aufhörte statt zu erweitern. Die genauen Gründe sind hier leider nicht bekannt. Das Gelände wurde dem Insolvenzverwalter zugeschoben, und der Bebauungsplan in die Schublade gelegt. Die Jahre zogen ins Land, und die Kalker gewöhnten sich an den wachsend verstellten Weitblick. Auf das Polizeipräsidium folgte das Einkaufszentrum, die Bebauung der Vietorstraße und – ganz schlimm – die des schönen Wildgrüngartens vor der Halle Kalk. Das Potenzial einer kleinen Oase mit Kulturanbindung: verschenkt. Die Besucher der Theaterveranstaltungen in der Halle Kalk fahren nach dem Applaus schnell nach Haus auf die linke Rheinseite.

Muss Kalk wirklich zur Gänze abgeholzt und zugebaut werden? Das Gebiet platzt doch jetzt schon verkehrstechnisch aus allen Nähten.

„Mehrere Versuche der Kalker Bezirksvertreter und auch einiger Ratspolitiker, das Viertel rund um die Kalker Post neu zu ordnen oder dort den Verkehr zu beruhigen, waren von der Verwaltung mit Verweis auf die unklare Zukunft des Fabrikareals abgewiesen worden.“, erfuhr man einmal aus dem Stadtanzeiger von Norbert Ramme. Das war 2008.

Damals hatte auch Markus Thiele in einer Sitzung der Bezirksvertretung Kalk nach dem aktuellen Planungsstand des Huwald-Hammacher-Geländes gefragt. Er erfuhr: „Die Verwaltung bereitet derzeit die europaweite Ausschreibung des Objektes vor, deren Veröffentlichung voraussichtlich im April 2009 erfolgen kann.“

Die Verwaltungsmühlen müssen sich damals verzahnt haben. Dafür geht es jetzt ganz schnell. Ein bisschen zu schnell, fand die SPD-Bezirksfraktion Kalk und bat in einem Dringlichkeitsantrag um Erstellung eines Bebauungsplans, um doch noch öffentliche Beteiligung zu gewährleisten. Das war vor vier Wochen. Ob es noch zu der gewünschten Bürgerversammlung kommt? Nach neuer Rechtsprechung wirkt hier nur noch §34 BauGB, und der gestattet bloße Baulückenschließung ohne weitere Mitwirkung von Politik und Öffentlichkeit.

Es ist mühselig, hierüber städtische Auskünfte einzuholen. Die wenigsten Anrufe bei der Stadt führten weiter, die meisten schriftlichen Anfragen blieben unbeantwortet.

Der ehemalige Bezirksvertreter Manfred Kreische plädiert dafür, dass das Grundstück in öffentlichem Besitz bleibt, damit nicht so verheerende Folgen wie zwischen Kalker Hauptstraße und Autobahnzubringer zu befürchten sind. Die Stadt hatte das Gelände der Chemiefabrik seinerzeit dem meistbietenden Investor zugeschanzt. Doch der sah nur den schnellen Euro. Die Kalker müssen damit leben.

Huwald-Hammacher-Gelände Rolshover-/Ecke Dillenburger Straße (c) Roman Reiff

Fotos: Roman Reiff

Henrik Link zur Veranstaltung
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