Das Aus für die Kajüte

„Echte Kalker“

Die Kajüte – aufwändig renoviert jüngst zu neuem Leben erwacht – ist wieder zu. Sechs Monate war sie an jedem 2. und 4. Samstag ein Sinnbild für Neuentwicklung, ein Hoffnungsträger und weiterer Meilenstein auf dem Weg des Stadtteils Kalk hin zu mehr Lebenswert. Das klingt zu Recht pathetisch. Gleich nach der Eröffnungsfeier im Mai diesen Jahres wurden Frau Schwentke und ihre Teamleiterin Kopsch vom Gewerbeaufsichtsamt mit Anwohnerklagen in Form handgeschriebener Briefe überschüttet. Kurzum luden diese die frisch gekürte Betreiberin der Kajüte vor, sie habe gegen die Konzessionsbedingungen verstoßen, nämlich keine Veranstaltungen durchzuführen. Den Beweis dafür legten sie gleich dazu. Auch er kam von Anwohnern. Von welchen, wollten sie nicht sagen. Es handelte sich um einen Ausdruck des KALKPOST-Portals, auf dem der DJ Herrschmidt angekündigt wurde. Dass es sich bei den aufgelegten Platten unter dem Motto „Traumschiff“ um ruhige Hintergrundmusik handelte, interessierte nicht. Schwentke und Kopsch drohten mit dem Entzug der Konzession.

Die vielen an der Renovierung der Kajüte Beteiligten waren fassungslos, genauso wie die Betreiber von kalkpost.de darüber, dass man das Portal, das sich bemühte, das kulturelle Leben Kalks nach vorn zu bringen, zu dessen Zerstörung benutzte. Man bat darum, mit den Klägern persönlich zu sprechen, doch die Herausgabe der Namen wurde verweigert. Also wurde ein Aufruf gestartet, und umso mehr Briefe und E-Mails, die um den Erhalt der Kajüte baten, gingen bei Schwentke und Kopsch ein. Man hängte Schilder auf, ermahnte die Gäste einzeln, auf der Straße keinen Lärm zu machen. — Vielleicht wäre ordentlich Radau besser gewesen, vielleicht hätte es Schüsse geben sollen und Schläge mit der Axt. Anwohnerklagen bleiben in solchen Fällen in Kalk erfahrungsgemäß aus, und das Gewerbeaufsichtsamt interessiert sich ebenso wenig. Die Konzession wurde letzten Monat entzogen. Kopsch beschimpfte die Briefe der Kajüten-Befürworter als „Hetzkampagne“.

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass sich kurz darauf durch ein zufälliges Zusammentreffen herausstellte, von welchen Anwohnern die Klagen ausgegangen waren, und welche Gründe sie dafür freimütig vorgaben: Als „die echten Kalker“ bezeichnen sich zwei Frauen – Mutter und Tochter -, die mehrere Stockwerke über der Kajüte wohnen und schon seit geraumer Zeit selbst auf die Pacht der Kajüte aus sind. Seit die „arroganten“ Neulinge die Kneipe betrieben, hätten sie selbst ins hässliche Posteck ausweichen müssen. Eine Kneipe, die nicht schon morgens geöffnet habe, sei außerdem Quatsch und würde zeigen, dass die neue Betreiberin von Kalk keine Ahnung habe. Die neue Kajüte liefe sowieso unter „Scheinkonzession“, bestimmt hätte man heimlich ganz anderes geplant. Unter Ausstoß mannigfachen Kippenqualms geben Mutter und Tochter gar nicht ohne Häme zu, mit Erfolg alles daran gesetzt zu haben, dem Relaunch der Kneipe ein Ende zu bereiten.

Die ob der klüngelnden Rückwärtsgewandtheit scheiternde Betreiberin überwindet ihren Schock und gibt zu bedenken, dass man sich zusammen hätte tun können: Mutter und Tochter machen morgens auf, die Neue abends. Beide sind begeistert von dem Vorschlag. Leider ist es dazu jetzt zu spät.

Soviel zu der persönlichen Meinung der Autorin: Wer immer sich über diesen Text empört, wende sich an mich persönlich und nehme davon Abstand, es gegen andere zu verwenden. So viel Fairness sollte doch möglich sein, vielleicht auch ein klein bisschen mehr Voraussicht und Klugheit im Sinne der Kalker Stadtteilentwicklung.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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schild

Henrik Link zur Veranstaltung
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