Autonomes Zentrum erneut bedroht

„Die Lage ist nicht hoffnungslos“, so die Aussage der Aktiven im Kalker AZ bei der Vollversammlung gestern Nachmittag. Seit der Dezember-Sitzung des Kölner Stadtrats ist Räumung erneut Thema geworden. Anlass: Die seit langem von Kalker Bürgern angefragte Grünfläche im sukzessive zugebauten Kalk soll nun ausgerechnet auf einem Teil des Geländes der ehemaligen Werkskantine entstehen. Nicht jeder ist davon überzeugt. „Die entstehende Grünfläche ist so klein, dass sie nicht dazu beiträgt, den Glünflächenmissstand erheblich zu verbessern, … sie ist so klein, dass sie vermüllen wird … Der Eingang zur Grünfläche würde … durch die geplanten Parkplätze verbaut.“, teilte eine Kalker Elterngruppe im Anschluss an die Vorstellung der Abrisspläne dem Betriebsbürgermeister schriftlich mit. „Die fehlenden Grünflächen werden als Argument genommen, warum das ehemalige Kantinengebäude abgerissen werden soll. Dies finden wir nicht angebracht.“ Die Elterngruppe schlägt eine Ausweitung der Grünflächen vor der Abenteuerhalle sowie eine Vergrünung der Brachflächen auf der Südseite der Dillenburger Straße vor. Auf diesen Arealen Grünflächen anzusiedeln würde nicht zuletzt Abrisskosten einsparen.

Wie teuer der Abriss die Stadt zu kosten käme, will auch eine Arbeitsgruppe im AZ den Entscheidern vor Augen führen und gegen halten, wieviel es kosten würde, das AZ zu erhalten – so gut wie nichts nämlich. Stollwerk und alte Feuerwache demonstrieren, was aus solchen bürgerschaftlichen Initiativen erwachsen kann. Auch das Dortmunder Künstlerhaus (als ein Beispiel von vielen) – heutzutage eine anerkannte Institution internationaler bildender Künstler im ungeliebten Norden der Stadt – entstand infolge einer Hausbesetzung, wäre sonst nie entstanden.

Und das ist die Angst vieler Bewohner Kalks: Dass Bebauungspläne weiterhin zuvorderst wirtschaftlichen und Investoren-Interessen folgen und eine zunehmend aufgepropfte Infrastruktur entsteht, mit der sich keiner identifiziert, der vor Ort lebt und so die kreativen Entwicklungen mit ihrem Mehrwert in Lebensqualität erstickt werden.

Auf den ersten Blick mögen die mit allerlei Statements besprayten Außenwände am Ende der Wiersbergstraße den adrette Straßenzüge Gewohnten erschrecken. Doch so revoluzzermäßig sie denjenigen aufstoßen, die hier „linksextreme“ Kräfte am Werk sehen, so angebracht ist genau diese Inszenierung. Wie ergeben haben wir Kalker diese ganze Schand- und Schundbebauung der letzten zehn Jahre hingenommen? Und sie geht weiter, und die städtischen Entscheider lassen sich nicht mal von alt erfahrenen Größen wie Prof. Peter Canisius vom Aktionsbündnis Stadtbaukultur oder Prof. Dieter Prinz, emeritierter Professor der Fachhochschule Köln, Bereich Architektur und Stadtplanung, zum Umdenken bewegen.

Worte – mögen sie noch so klug sein – haben bisher nichts bewirken können. Die Stadt macht, was sie will. Das Veedel Kalk liegt ihr irgendwo, aber bestimmt nicht am Herzen.

„Vielleicht passt das Bild engagierter linker Menschen nicht in das Stadtbild eines ‚geordneten‘ Daseins, wie es sich der gesetzte Bürger vorstellt“, schreibt Dagmar H. auf dem Bürgerhaushalt-Blog, „aber hier sind junge Leute am Werk, die das politische Bild unserer Stadt in eine gute Richtung lenken. … Das AZ ist ein unkonventioneller Ort, an dem junge Menschen interessante Vorträge, politische Beiträge, Konzerte, Filme, Workshops etc. für jeden Geldbeutel wahrnehmen können. Welchen Sinn würde es machen, einen solchen Ort zu vernichten?“

Gar keinen, und eine Gelegenheit, dies kund zu tun, gibt es heute abend um 19 Uhr 30 im Domforum. Übergreifendes Thema sind die leeren Kassen Kölns. Der Vorschlag, ehrenamtliches Engagement wie im Autonomen Zentrum Kalk weiter bestehen und arbeiten zu lassen, sollte bei den Kassenwärtern auf offene Ohren stoßen.

Die AZ-Betreiber wollen auch in den nächsten Tagen aktiv auf die zuständigen Dezernenten der Verwaltung zugehen. Eine schriftliche Kündigung ist bisher nicht eingegangen.

In der Woche vom 15.-22.4. feiert das AZ Geburtstag und lädt zum Tag der Offenen Tür. Alle Arbeitsgruppen stellen sich vor. Eine Einladung an alle, die sich ein eigenes Bild machen wollen.

 

 

 

 

 

Henrik Link zur Veranstaltung
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