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Kalker Köpfe – Herausragende Lebensgeschichten

Seit 1996 engagieren sich in der Geschichtswerkstatt Kalk 30 Hobby-Forscher dafür, Zeugnisse der Kalker Industriegeschichte zu sichern und die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekte des Arbeitervorortes gestern und heute aufzuzeigen. Am 5.12.2013 wurde im Bürgeramt Kalk die siebte Publikation des Vereins vorgestellt, das Buch „Kalker Köpfe – Herausragende Lebensgeschichten“. Es porträtiert zehn Kalker, deren Lebenswerk auch nach ihrem Tod unvergessen bleiben soll. Viele von ihnen sind Zeugen der Weltkriege und auf ihre Weise darum bemüht gewesen, Not zu lindern, Entwicklungsarbeit oder Widerstand zu leisten. Die von verschiedenen Autoren geschriebenen, gewissenhaft recherchierten Beiträge gewähren auch interessante Einblicke in das Leben Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in Kalk:

So hatte 1883 eine Kalker Schulklasse 82 Schüler – nur Jungen, wohlgemerkt. Heinrich Bützler setzte sich damals für neue Schulen ein, um der Überfüllung der Klassen Herr zu werden. Er entwickelte Lehrpläne für die ersten Berufsschulen in Kalk, stellte „Gewerbekunde“ in den Mittelpunkt des Unterrichts, sorgte dafür, dass die Schüler lernten, „Geschäftsaufsätze“ zu schreiben. Von 1904 an wurde Bützlers Lehrplan in Leipzig bei Fortbildungsveranstaltungen für Schulleiter besonders weiterempfohlen. Nicht zuletzt als Chronist hat sich Heinrich Bützler besonders verdient gemacht. Seine „Geschichte von Kalk und Umgebung“ gilt als Quelle für viele Fakten, von denen man nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs sonst nichts mehr hätte wissen können.

Schon 1885 versuchten protestantische Eltern (damals lebten gerade einmal 1860 Protestanten in der Stadt), eine „Evangelische Familienschule für Höhere Töchter“ zu gründen. Das Hauptziel war die Vorbereitung der jungen Mädchen auf ihre späteren häuslichen Pflichten. Dafür sollten sie die französische und englische Konversation beherrschen, sich auf Literatur, Geschichte und Handarbeit verstehen. Doch erst die nächste, 1904 gegründete „Höhere evangelische Töchterschule“ hatte Bestand. Protestantische Unternehmer hatten das Vorhaben bezuschusst. Mit erst 20 Jahren war Hanna Meuter 1909 eine der damaligen Lehrerinnen. Das Abitur machte sie fünf Jahre später! Erst seit 1896 konnten Frauen und auch nur mit Sondergenehmigung ihr Abitur machen. Offenbar hielt man es bis dato nicht für nötig.

Hanna Meuter studierte parallel zu Ihrer Lehramtstätigkeit und wurde 1918 als erste Frau „Lyzealdirektorin“ der Evangelischen Töchterschule zu Kalk. Als die Schulvertretung sie jedoch zur Ablegung eines Eides verpflichten wollte, der Meuter zu rechtslastig war, verließ sie die Schule wieder. Hanna Meuter engagierte sich daraufhin in der beginnenden Volksbildungsbewegung, arbeitete als Bibliothekarin an der Kölner Universitäts- und Stadtbibliothek und erhielt mit einer soziologischen Promotion über Obdachlosigkeit den Titel des Dr. phil.

Ihr Leben und das, was Karin Schmidt in Zusammenarbeit mit Irene Franken darüber herausgefunden hat, ist an dieser Stelle noch nicht zuende. Und auch die Leben acht anderer Persönlichkeiten, die über Kalk hinaus wirkten, müssen selber nachgelesen werden, z.B. die Lebensgeschichte des einzigen Kölner Karnevalisten, der den Nationalsozialisten wirklich die Stirn bot, oder die vom Boxer Jupp Elze, dem ersten deutschen Sportprofi, der nachweislich an Doping starb. Schmidt und ihre Kollegen von der Geschichtswerkstatt haben mit ihren Recherchen viel dazu beigetragen, dass die vergangenen Zeiten des bunten Stadtteils Kalk in den Biographien besonderer Zeitgenossen für viele erinnert werden können.

Die Lektüre „Kalker Köpfe – Herausragende Lebensgeschichten“ (ISBN 3935735103) ist über den Buchhandel oder im Internet bestellbar.


isabelle reiff
eingetragen am: 05_Dez_2013 10:00 Uhr






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