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Seilschaftenwirtschaft im Sinne von …

Der Kalkberg, begrünte Deponie einer ehemaligen Chemiefabrik, soll zum Hubschrauberlandeplatz werden.

Der Kalkberg, begrünte Deponie einer ehem. Chemiefabrik, soll zum Hubschrauberlandeplatz werden.

Mit mehreren Protestaktionen drängen die Anwohner des Kalkbergs auf einen alternativen Standort.

Mit mehreren Protestaktionen drängen die Anwohner des Kalkbergs auf einen alternativen Standort.

Perfekte Alternative: der Flugplatz am Kurtekottenweg (Foto: Luftsportclub BAYER LEVERKUSEN e.V.)

Welche Ausreden sich Guido Kahlen & Co. wohl jetzt wieder einfallen lassen werden? Der Luftsportclub Bayer Leverkusen hat dem Kölner Stadtdirektor ein Angebot zur Ansiedelung der Rettungshubschrauber-Station auf seinem Gelände unterbreitet. Ein Angebot, das gegenüber dem Kalkberg nur Pluspunkte und sogar noch Kosteneinsparungen von 3,5 Millionen Euro beinhaltet.

Die Erschließung des Kalkbergs ist schon in der Planungsphase teurer als angenommen: Aus den ursprünglich 2,5 Millionen Euro, die der Aufbau kosten sollte, sind u.a. wegen der teuren Zufahrtsstraße schon 11,5 Millionen geworden. Dass es dabei nicht bleibt, dafür spricht so gut wie jede andere städtische Baumaßnahme (sehenswerte ARD-Doku: “Pleiten, Pech und Peinlichkeiten”). Allein die überraschenden Altölfunde auf dem Kalkberg zeigen, dass man im Grunde gar nicht genau weiß, worauf man sich baugrundtechnisch einlässt.

Demgegenüber listet der Luftsportclub in seinem aktuellen Angebot neun Pluspunkte, die für den eigenen Standort Kurtekotten sprechen:

  1. Der Flugplatz liegt oberhalb von Dünnwald zum Großteil auf Kölner Stadtgebiet in gleicher Entfernung zur Kölner Innenstadt wie das ursprünglich favorisierte Köln-Mehrheim.
  2. Köln-Nord, rettungsflugtechnisch bis dato schlecht versorgt, wäre besser als sonst erreichbar.
  3. Wegen der Nähe zum Rhein sind die Krankenhäuser Niehl, Longerich und die Kinderklinik genauso gut erreichbar wie Leverkusen, Holweide, Kalk und Deutz.
  4. Die Wache der Berufsfeuerwehr ist nur 1 km entfernt.
  5. Der Flugplatz selbst ist per A3, B8 und Willi-Brandt-Ring verkehrstechnisch bestens angebunden.
  6. Kurtekotten erfüllt die Sicherheitsvorschriften des Bundesverkehrsministeriums in puncto Hindernisfreiheit zu 100%, der Kalkberg nicht.
  7. Die erforderliche Genehmigung für 4000 Flugbewegungen im Jahr liegt bereis vor.
  8. Kurtekotten hat keine nahen Anwohner, die durch den Hubschrauber Lärm ausgesetzt sind.
  9. Nur ein Bruchteil der Kosten, mit denen beim Kalkberg zu rechnen ist, fallen an, da in Kurtekotten keine Erschließung mehr nötig ist, wesentliche Teile der Infrastruktur – sogar der Basisstation – schon vorhanden sind: Der vollausgestattete Flugplatz verfügt über die notwendigen Strom-, Gas-, Kanal- und Wasseranschlüsse (diese müssten am Kalkberg erst samt und sonders, laut und dreckig gelegt werden.), über Landebahn, Kontrollturm, Kerosintanks, Büro-, Sanitär- und Tagungsräume, Hallen und Werkstätten, Feuerlöscheinrichtungen, Clubhaus, Gaststätte, Kinderspielfläche, Parkplätze und Besucherterrasse.

 

Der Luftsportclub (LSC) hat aktuellen Anlass, seinen Landeplatz zu bewerben: Das Sponsoring durch Bayer entfällt demnächst. Es geht um die Existenz des Flugplatzes, der 1960 vom Butzweiler Hof hierher zog, Segel- und Motorflugzeuge beherbergt und jedes Jahr eine Airshow mit internationalen Gästen veranstaltet. Als einer der größten Luftsportvereine Deutschlands ist der LSC ein sogenannter Landesleistungsstützpunkt im Segelflug.

Den Hubschrauberlandeplatz hierher zu verlegen wäre eine Win-Win-Situation, wie man sie sich schöner nicht vorstellen kann. Und alles ist dafür schon vorbereitet und betriebsbereit, Baukosten fallen so gut wie weg genauso wie Lärmbelästigung und mutwillige Vernichtung öffentlicher Gelder.

Man fragt sich wieder mal, welche Motive im Hintergrund den Ausschlag geben bzw. gaben, denn 2005 schon befanden Kölner Feuerwehr, zuständig für Luftrettung, und Oberstadtdirektor Kahlen den Standort Kurtekorten für minderwertig. Schon bevor damals die Standorte in Prüfung gingen, hatte man sich bereits ein luftrechtliches Eignungsgutachten für den Kalkberg erstellen lassen.

Die 2011 gegründete Bürgerinitiative Kalkberg will wissen: “Wer hatte damals Interesse, Kurtekotten als ungeeignet darzustellen?” Die Bürgerinitiative wünscht sich eine unabhängige, öffentlich nachvollziehbare Prüfung des Standortes Kurtekotten, die nicht der Kölner Feuerwehr und dem Oberstadtdirektor überlassen wird: “Angesichts der offensichtlichen Vorteile des Standortes Kurtekotten und einer Kostenersparnis von mindestens 3,5 Millionen Euro – in der die zu erwartenden Kostensteigerungen beim Bau der Station auf dem Kalkberg noch nicht enthalten sind –, kann die Stadt Köln es sich nicht leisten, die Option Kurtekotten nur zum Schein zu verfolgen und de facto weiterhin den Kalkberg als einzig möglichen Standort zu betrachten”, argumentiert der Sprecher der Bürgerinitiative Boris Sieverts.

Eine Beschwerde bei der Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken wurde abgewiegelt. Im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Hans Peter Lindlar, der bei diversen Bauvorhaben der Stadt Gegenposition ergriff, scheint die Duisburgerin, die täglich mit dem Auto nach Köln fährt, Streit lieber zu vermeiden. Dabei gilt die Regierungspräsidentin als ausgewiesene Finanzexpertin, ist mit einem Unternehmensberater verheiratet und sieht ihre wichtigste Aufgabe darin, etwas für die Kommunalfinanzen zu tun: “Köln muss für sich die Frage beantworten: Was kann und soll sich eine Kommune leisten?”, sagte sie dem Express.

Je näher der Ankauf des Kalkbergs durch die Stadt Köln rückt, desto mehr Fragen tauchen auf: Warum z.B. zahlte die Stadt für einen Teil des Grundstücks das Elffache des von der Stadt selbst ermittelten Werts, nämlich fast eine halbe Million Euro, um damit der GSE einen Teil ihrer Sanierungskosten am Kalkberg zu erstatten, obwohl diese Sanierung von jeher Aufgabe der GSE war? Und das, obwohl es dazu in einer Stellungnahme des Rechnungsprüfungsamtes hieß: “Das Risiko, welches mit dem Kauf auf Dauer übernommen wird, ist nicht sicher kalkulierbar.”

Dass der Stadt Köln dadurch ein Schaden von 408.790,00 Euro entsteht, die der Voreigentümerin GSE  geschenkt werden, zu diesem Schluss kommt Frank Deja von Köln kann auch anders. Deja listet auf: “Die Anteilseigner der GSE (‘Man kennt sich und man hilft sich’) sind:
- der Immobilienentwickler und frühere Eishockey-Mäzen Heinz Hermann Göttsch, gegen den im Oktober 2012 ein Insolvenzverfahren eingeleitet wurde (er war auch an dem gescheiterten Projekt für ein Einkaufszentrum auf dem Helios-Gelände beteiligt);
- die S RheinEstate Grundbesitz GmbH & Co. KG (eine 100%ige Tochter der Sparkasse KölnBonn);
- die Hans Georg Engel Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH & Co.KG.”

 

Mit 51% ist die Sparkasse KölnBonn Haupteigentümer des Kalkbergs.
Die Sparkasse wiederum gehört der Stadt.
Und wem gehört die Stadt?

Ihren Bürgern offensichtlich schon lange nicht mehr.

Im Dezember hat Erhard Becker, Kalkberg-Anwohner aus Buchforst, Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Köln wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel gestellt. Doch die Staatsanwaltschaft lehnte die Aufnahme von Ermittlungen ab. Seine Anschuldigungen seien “bloße Behauptungen einer Bürgerinitiative”. Erhard legte daraufhin bei der Generalstaatsanwaltschaft Beschwerde gegen die Staatsanwaltschaft ein. Bis auf eine Eingangsbestätigung erfolgte bisher noch keine Reaktion.

Boris Sieverts stellte bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal die gleiche Anzeige wegen Veruntreuung. Hier war der Bestechungsskandal im Landesliegenschaftsamt aufgedeckt worden, in den auch Göttsch verwickelt war (s.0.). Sieverts befürchtet nämlich, dass die Kölner Staatsanwaltschaft nicht besonders motiviert ist, den Fall zu verfolgen. Doch an eben diese haben die Wuppertaler den Fall jetzt weitergeleitet.

 


isabelle reiff
   
eingetragen am: 26_Jun_2013 13:07 Uhr






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