Kunst, Kultur, Wohnen und Ausgehen in Kalk auf Facebook auf Twitter


Auf Wiedersehen in Puerto de Mogán

Kalk „auf Wiedersehen“ sagen – Manche tun es temporär, andere für immer. Uschi ist so eine: Vor 15 Jahren entschloss sie sich, ihren Eltern zu folgen. Die waren einige Zeit vorher von Kalk nach Gran Canaria ausgewandert. Den Anlass hatte das Rheuma der Mutter geliefert. Das Wetter auf der kanarischen Hauptinsel bekam dieser einfach besser. Der Vater, in Kalk noch Inhaber einer Baufirma, eröffnete im Süden der Insel eine Kneipe. Uschis Schwester zog nach und wurde Leiterin des Lokals. Dann entschied sich auch Uschi mit Mann und Kindern für den Umzug nach Puerto de Mogán. „Das Urlaubsfeeling musst du aber schnell loswerden, wenn du hier deinen Lebensunterhalt verdienen willst“, hält die 55-Jährige allen vor Augen, die selbst vom Auswandern träumen.

Halb so schlimm, wenn man seine Arbeit liebt, so wie Uschi. Ihre Freizeit verbringt sie mit ihren beiden Hunden in den Bergen, beim Tai Chi am Strand und wenn sich die Gelegenheit bietet, auch beim Yoga. Tatsächlich besteht dazu jeden Februar eine ganze Woche lang Gelegenheit: Immer über Karneval unterrichtet Alexander zwei Stunden morgens und abends die meditative Gymnastik auf der Dachterrasse der Pension Lumy am Ortseingang von Puerto de Mogán. Uschi stieß in der örtlichen Jugendherberge auf seinen Aushang, der den Workshop ankündigte. Sie war gleich interessiert und meldete sich an. Dass sie es dabei mit einem Yogalehrer aus Köln-Kalk zu tun bekommen würde, auf diesen Gedanken wäre sie nie gekommen. Auch Alexander kommt nämlich aus Kalk, wo er seit vielen Jahren Yogakurse gibt. Uschi freute sich schon, alte Freunde von früher wieder zu sehen, aber so war es dann doch nicht.

Dafür reisten noch andere „Ex-Kalker“ zum Yoga nach Puerto de Mogán, teils genauso ahnungslos, dass ihnen hier ein Stück rechtsrheinisches Köln wiederbegegnen würde: Karin arbeitete viele Jahre als Hebamme im evangelischen Krankenhaus in Kalk Nord, bevor es sie beruflich nach Kiel verschlug. Damals lebte sie in der Bertramstraße, wenige Häuser von Alexanders Wohnung entfernt. Doch erst in Kiel bahnte sich ein Kennenlernen an: Als ihre Kieler Kollegin so auffällig gut erholt aus dem Urlaub zurückkehrte, sprach Karin sie an: „Du siehst so dermaßen entspannt aus! Was hast du gemacht?!“ Die Kollegin berichtete von einem Yogaworkshop auf Gran Canaria, den sie mit Google gefunden hatte. „Erholung pur“, versprach sie. Karin fuhr ein Jahr später, nämlich dieses, hin, und es war eine echte Überraschung, als sie erfuhr, woher der Workshopleiter stammte: „Da war ich wirklich von den Socken!“, sagt sie und schwärmt von der Köllschen Mentalität, die ihr im Norden manchmal fehlt.

Auch Friederike aus Köln Dünnwald und ich selbst aus Dortmund haben sich dieses Jahr in den Flieger gesetzt, um an Sonne und Alexanders Yogaunterricht zu gelangen. Leider ist Dortmund ein kleines bisschen zu weit von Kalk entfernt und das Bahnticket zu teuer, um die wöchentlichen Kurstermine extra anzufahren. Schade, denn bisher habe ich keinen zweiten Yogalehrer getroffen, der ein ähnlich großes Spektrum an Yoga-Haltungen einbringt und diese so gut aufeinander abstimmt und ansagt, dass man fließend von der einen Asana in die andere gelangt: „Stelle jetzt den rechten Fuß zwischen deine Hände …“ Hören genügt oft, um mitzumachen. Die Konzentration kann dadurch am allerbesten bei der eigenen Bewegung bleiben – eine Art Feldenkrais-Yoga.

Friederike teilt meine Meinung. Auch sie freut sich über die Möglichkeit, eine Woche am Stück Yoga bei Alexander zu machen, weil unter der Woche keine Zeit bleibt – obgleich sie sich seit Jahren jeden Sonntag mit Kind, Kegel und Kollegen zum Frühstücken in Kalk im Bürgerhaus trifft. „Früher habe ich hier den Kinderflohmarkt mit organisiert“, erzählt sie, „das Bürgerhaus Kalk ist ein idealer Ort, um sich sonntags gemütlich mit vielen Leuten zu treffen.“ Auch Puerto de Mogán ist für Friederike schon lange ein Stück Heimat: Ihre erste Hochzeitsreise führte sie an den kanarischen Urlaubsort. Seitdem ist sie immer wieder hierher gereist.

Lutz – auch ein ehemaliger Kalker, jetzt Ehrenfelder – ist sich ebenfalls sicher, dass er nicht das letzte Mal auf Gran Canaria gewesen ist – allein schon wegen der schönen Münchnerin, die er in den Bergen getroffen hat … Lutz genauso wie Julia aus Köln-Mülheim sind beide nicht zum ersten Mal bei einer von Alexanders Yogareisen dabei. Vom 26. Februar bis 5. März ist es wieder so weit: Morgens und abends wird auf der Dachterrasse der Pension Lumi Yoga praktiziert – mit Blick hin zum Meer (Infos hier). Eine Reise nach Gran Canaria über die Karnevalszeit lohnt sich übrigens auch wegen der Menge an tollen Kostümen und super Stimmung bei den Umzügen, z.B. in Las Palmas.


Tags:
isabelle reiff
 
eingetragen am: 18_Nov_2013 12:11 Uhr






Kommentare sind für diesen Artikel nicht zugelassen.